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Von jüdischen Nazis und Heil Hitler schreienden Freiheitskämpfern

Ein Beitrag von Isa Nowotny, 07. Mai 2017;

»Warum behandeln die Juden die Palästinenser, wie sie damals selbst von den Nazis behandelt worden sind? Gerade sie müssen doch was aus der Geschichte gelernt haben!« - Das ist der naive Satz, mit dem viele Europäer und vor allem Deutsche jeden Anfang einer Diskussion über den Nahostkonflikt abwimmeln wollen. Wirft man ihnen daraufhin einen auch nur ansatzweise kritischen Blick zu, gehen sie meist in die Defensive: »Natürlich nicht alle Juden, aber ... Du weißt schon, was ich meine.« Sie meinen damit selbstverständlich die Israelis, die sich weigern, ihr Land und damit ihre ganzen Lebensgrundlagen aus Gründen der Toleranz zu opfern. Doch natürlich gibt es für sie auch gute Juden/Israelis: von Sara Kershnar über Ilan Pappé bis hin zu den ultraorthodoxen Antizionisten, die zwar das Praktizieren der Steinigung wieder legal machen wollen, aber das ist den deutschen Gutmenschen egal: Ihnen geht es lediglich darum, auch von Juden (!) ihre im SPIEGEL angelesene Weltanschauung bestätigt zu bekommen.

Jene Gutmenschen verbiegen sich, um noch so absurde Parallelen zwischen der Israelischen Armee (IDF) und der SS herstellen zu können. Der Gazastreifen und das Westjordanland werden kurzerhand zu einem »Freiluft-KZ« erklärt, an den Checkpoints müssen Palästinenser mit einem Ausweis ihre »rassische Reinheit« beweisen - was kommt als Nächstes? Ist das Gas, das die IDF gegen randalierende Demonstranten einsetzt, am Ende gar kein Tränengas, sondern Zyklon B?

An dieser Stelle möchte ich ein kurzes Video des Filmemachers Ami Horowitz einfügen, der zeigt, wie schlimm das Leben der Palästinenser wirklich ist:

So niveaulos es an sich schon ist, die Tragödie der Juden zu einer Moralkeule umzufunktionieren und ihnen dieselbe über den Kopf zu ziehen: Übertroffen wird diese Methode nur, wenn die Anschuldigungen nicht nur komplett falsch sind, sondern gerade die Gegenseite mit Nazirhethorik agiert - nicht die Israelis. Wie dieser reizende Hamasunterstützer:

Geben Sie einfach mal bei Google »Hamas Hitler Salute« ein, die Suchergebnisse werden Sie erschrecken, überraschen oder auch nicht. Je nachdem, wie gut Sie sich mit dem Konflikt schon auseinandergesetzt haben. Auch der Laden »Hitler 2«, in dem man in Gaza Messer, Skimasken und weitere Intifadaausrüstung kaufen kann, sollte hier erwähnt werden:

Foto

Diese Menschen sind in vielen europäischen Augen trotzdem - oder deswegen? - große Freiheitskämpfer, und ihre antisemitischen Parolen werden gerechtfertigt und damit verharmlost. Und das geht ganz leicht: Ersetzen Sie einfach das Wort »Jude« durch »Israeli« oder, noch viel besser, durch »Zionist« oder »Besatzer«, und keinem dieser naiven Europäer wird auffallen, dass Sie in Wirklichkeit die ganze ethnoreligiöse Gruppe des Judentums meinen. Bingo! Sagen Sie »Besatzer«, so haben Sie die größte Chance, bei den Europäern zudem noch ihren typischen Drang zur zwanghaften Weltverbesserung anzusprechen: Sie werden sofort zustimmen, dass jede Methode gegen eine Besatzung gerechtfertigt ist - also auch Nazi-Methoden. Ist ja auch nur Zufall, dass jene »Besatzer« hier Juden sind, oder?

Natürlich haben die Israelis diese Mechanismen längst durchschaut (was schon daran deutlich wird, dass der Staat Israel noch steht) und wissen genau, wie man mit solchen Islamofaschisten umgeht. Bietet man diesen Menschen einen kleinen Finger an, so hat man kurz darauf nicht mal mehr den anderen. Ja, die Juden/Israelis/Zionisten/Besatzer wissen, mit wem sie es zu tun haben.

»Aber das beantwortet noch nicht die Frage, warum sie anscheinend nichts aus ihrer Geschichte gelernt haben!«

Ganz einfach: Die Israelis gehen mit Heil Hitler schreienden Islamofaschisten nicht nett um; nicht, weil sie nichts aus ihrer Geschichte gelernt haben, sondern gerade weil sie etwas aus der Geschichte gelernt haben. Eine harte Kante gegenüber Antisemiten ist der sicherste Garant dafür, nicht noch einmal abgeschlachtet zu werden.

 

 

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